
Presseerklärung
Mit Entsetzen und mit großem Zorn hat der Dopingopfer-Hilfeverein zur Kenntnis genommen, dass nach dem Willen der Führung im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) insbesondere des dortigen Sportdirektors Lutz Buschkow und des Bundestrainers Dirk Lange die Normzeiten für die Qualifikation der vom 17. Juli bis 02. August in Rom stattfindenden WM so hoch wie noch nie angesetzt worden sind. Die Athleten müssen bei den im Juni stattfindenden Deutschen Meisterschaften in Berlin auf Sage und Schreibe 14 Strecken sogar den derzeitigen Deutschen Rekord unterbieten, um an der WM teilnehmen zu können. Dirk Lange wird wie folgt zitiert: ?Wir wollen keine WM-Touristen. Es bringt nichts bei der Norm eine weiche Linie zu fahren und dann bei einer WM hinterher zu schwimmen.? Lutz Buschkow meint: ?Wir dürfen uns nicht blenden lassen. Mit Blick auf Olympia 2012 in London werden wir die Ansprüche weiter nach oben schrauben.? Schwimmen ist ein höchst dopingempfindlicher Sport mit zahlreichen Doping-Fällen. Für viele waren deshalb die Spitzenleistungen bei der Olympiade 2008 in Peking nicht mit sauberem Training und sauberer Leistungserbringung erklärbar. Natürlich gewachsene große Hände, große Füße und außerordentliches Training machen allein viele Spitzenzeiten nicht plausibel. Der Dopingopfer-Hilfeverein hat sich in seiner bisherigen Arbeit insbesondere um Opfer des DDR-Schwimmsportes bemüht, die als Kinder und Jugendliche mit außerordentlichen Leistungs- und Trainingsdruck, insbesondere aber auch unter teilweise heimlicher Zuführung hoch körperschädigender Dopingmittel zu Weltspitzenleistungen gezüchtet worden sind. Der Dopingopfer-Hilfeverein kennt das hohe Ausmaß der dadurch bei diesen Dopingopfern eingetretenen Schäden, die im Ausgang einer Geisteshaltung geschuldet sind, die absolute Höchstleistungserbringung um jeden Preis fordert. Die Führung des Deutschen Schwimm-Verbandes hat offensichtlich nichts dazugelernt. Wer meint, sich bereits bei der Setzung von Qualifikationszeiten an Leistungen orientieren zu müssen, die bislang trotz von uns angenommenen sauberen Hochleistungstraining auf vielen Strecken noch nie von deutschen Athleten erzielt worden sind und so ohne Doping auch nicht erzielbar wären, kann einen dopingfreien Sport nicht im Auge haben. Überhöhte Normzeiten setzen die betroffenen Athleten einem unweigerlichen Verhaltens- und Gewissenskonflikt aus: Sportlerkarrieren ohne Teilnahme an internationalen Wettkämpfen sind aber ohne Wert und die Versuchungen seine natürliche Leistungsfähigkeit durch Doping zu steigern sind groß! Wir bewerten die Haltung des DSV deshalb als Anstiftung zum Doping und in einem Sport mit zumeist minderjährigen Leistungssportlern als besonders verwerflich Wir fordern nicht nur vom Deutschen Schwimm-Verband, sondern von allen deutschen Sportverbänden eine Besinnung auf sauberen Hochleistungssport. Eine solche allein richtige Haltung erfordert eine Anpassung der Leistungsziele. Wir alle sollten stolz darauf sein zu internationalen Meisterschaften, Olympiaden und sonstigen Wettkämpfen deutsche Sportler schicken zu können, die im Geiste der sportlichen Weltidee sich dem sportlichen Fair-Play bedingungslos verschrieben haben. Wir sollten deshalb auch stolz auf unsere Schwimmsportler in Peking sein, von denen wir annehmen und hoffen, dass sie mit sauberer Leistung ?baden gegangen? sind bzw. die dort erzielten Erfolge mit besonderem Talent und dem ?Zufall des Tages? erzielt haben. Wer die Leistungsspirale hochdreht, will einen weitestgehend dopingfreien Sport nicht. Wir fordern die Führung des Deutschen Schwimm-Verbandes deshalb auf unverzüglich ihre Entscheidung zu revidieren und menschliche Normzeiten, die durch Leistung ohne Doping erzielbar sind, anzusetzen.
Dr. Michael Lehner
Dr. Klaus Zöllig